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www.birdy-freunde.de/reisen/po-delta.html - ausgedruckt am 08.12.2016

"Dolce-Vita" an der Lagune

Rund ums Po-Delta

Von Joachim Liertz
Wasservögel fliegen auf, es geht auf Dämme und über Kanäle: Im italienischen Po-Delta kommen Naturliebhaber voll auf ihre Kosten. Aber auch kulturell geizt die Region nicht mit Reizen: Viele Hafenstädte und Venedig versprechen touristischen Genuss.

Mit dem Birdy im Po-Delta

"Tritt man sich bei den kleinen Rädern denn nicht zu Tode?", werden wir von italienischen Radfahrern gefragt - beim Warten auf die Fähre nach Venedig, die Falträder neben uns. Ob die Räder überhaupt Gepäck tragen können, fragt uns allerdings keiner. Schließlich sind wir der lebende Beweis dafür, dass das Moulton und das Birdy voll tourentauglich sind - besonders für eine Reise nach Italien: Leicht im Transport passen sie auf jedes Boot, vor allem für Venedig äußerst praktisch.
Doch da sind wir noch nicht. Wir starten in der Stadt Ferrara ins attraktive Po-Delta mit seinen vielen Seitenflüssen und Kanälen. Diese Landschaft - mit Venedig als Höhepunkt - wollten wir einmal aus Radler-Perspektive erleben.

Birdy und Mouton on Tour Birdy und Gepäck
Birdy und Moulton on Tour Birdy und Gepäck: Lenkertasche, zwei Lowrider-Taschen vorn, zwei Trinkflaschen - und ein gerade erstandener Hut in seiner Schachtel und darunter noch zwei Lowrider-Taschen.

Ferrara gilt als fahrradfreundlichste Stadt Italiens. Das Faszinierende daran: Eigene Räder braucht man hier gar nicht. Die Zimmervermieterin drückt uns typische Ferrara-Räder in die Hand - gemütliche, etwas ramponierte, meist schwarze Low-Tech Damenräder ohne Gangschaltung. Damit geht es los durch die fast autofreie Stadt, kilometerlang auf dem schattigen Festungswall entlang, der die Innenstadt umrundet: Ein guter Start für den Aufbruch zum Po-Delta. Denn auch dort lässt es sich entspannt radeln, fast ungestört vom Autoverkehr, auf Dämmen entlang der Kanäle, die irgendwo im Nichts zu beginnen und enden scheinen.

Fahrradladen in Ferrara
Fahrradladen mit Flair - in Ferrara
Das Angebot im Laden war allerdings moderner als das Schild außen.

Zwei Wochen lang werden uns Wasservögel und riesige Reiher begleiten, die ab und zu aufflattern. Die Landschaft ist weder spektakulär noch atemberaubend, aber dafür liegt der Reiz im Detail. Es geht über einfache Behelfsbrücken aus Pontons auf die andere Seite eines Seitenarms, vorbei an Maisfeldern, Lagunen und kleinen Höfen.
Bei Mesola lässt sich die wundervolle Ebene des Po-Deltas weithin bestaunen - vom Glockenturm einer alten Benedektinerabtei aus. In der ehemaligen Hafenstadt erinnert nur noch eine Festung an den gescheiterten Versuch, die Macht Venedigs herauszufordern. Jahrhunderte lang verhinderte Venedig den Aufstieg anderer Städte und lenkte einen Po-Seitenarm etwas nach Süden um, um so durch gezielte Verlandung Mesola die Grundlage zu entziehen.

Fruchtbar, aber arm

Das Gebiet ist rundum fruchtbar und wasserreich - aber trotzdem eine arme Region. Noch immer gibt es Tagelöhner, die im Sommer auf den Feldern arbeiten und in ärmlichen Häuschen wohnen. Das letzte Stück vom Po-Delta ist ein ausgewiesener Naturpark, den man leicht in einer Tagesetappe von Ferrara aus entlang der Adria erreicht.
Wir müssen zwei Tage bleiben, um die Umgebung in Tagestouren zu erkunden. Das gesamte Mündungsgebiet ist eine Jahrhunderte alte Kulturlandschaft, wo man versuchte, dem Meer Land abzutrotzen. Besonders faszinierend ist die Fahrt über die schmalen Deiche. Sie trennen riesige Wasserflächen vom Meer ab. In diesen Lagunen ist unter anderem die Blasenschote, eine fleischfressende Pflanze, beheimatet - und man schätzt, dass ein Drittel aller Blesshühner und sogar 75 Prozent aller italienischen Tafelenten hier leben.

Venedig naht

Der Weg nach Venedig lässt sich kurzweilig gestalten, beispielsweise mit einer Fahrt nach Chioggia. Die interessante Hafenstadt ist mit seinen vielen Kanälen schon eher mit Venedig vergleichbar, aber deutlich kleiner und nicht von Touristen überlaufen. Selbst am Samstagabend ist die Haupt-Flaniermeile fest in einheimischer Hand.
Danach geht es auf den sehr schmalen Inseln Pellestrina und Lido, von kurzen Fährpassagen unterbrochen, weiter nach Norden in die Stadt der Paläste, Kanäle, Gondeln und Plätze. Jetzt ist an Fahrrad fahren nicht mehr zu denken - wir erkunden Venedig wie alle anderen zehn Millionen Touristen jährlich per öffentlichem Wasserverkehr und zu Fuß. Obwohl man so vieles schon in Filmen gesehen hat, übt die Stadt trotzdem einen faszinierenden Reiz aus.
Fast der gesamte Transport spielt sich auf dem Wasser ab: Müllabfuhr, Polizei und Handwerker - und das alles vor der Kulisse der Paläste mit ihren phantastischen Fassaden. Doch die sind im wahrsten Sinne des Wortes dem Untergang geweiht. Der Wasserspiegel steigt von Jahr zu Jahr. Schuld ist Italiens drittgrößte Industrieansiedlung Porto Marghera. Sie liegt direkt vor Venedig am Festland und sorgt dafür, dass der Markusplatz im Winter teilweise einen Meter unter Wasser liegt. In vielen Palästen ist das Erdgeschoss nicht mehr nutzbar, weil es permanent unter Wasser steht.

Venedig - aus der einzig wahren Perspektive
Venedig - aus der einzig wahren Perspektive
Liegeräder auf der Bienale
Diese Liegeräder waren Teil des Beitrags eines ungarischen Künstlers zum ungarischen Pavillon auf der Bienale. Die Besuche der Bienale konnten auf ihnen entspannt die Strecken zwischen den einzelnen Ausstellungspavillons zurücklegen.

Schlösser am Brenta-Kanal

Eine spannende Weiterfahrt bietet sich entlang des Brenta-Kanals an, vorbei an unzähligen Villen, Palästen und Schlössern. Die Venezianer ließen sich hier außerhalb ihrer engen Stadt weitläufige Parkanlagen mit Prachtbauten errichten. Man gelangt dorthin per Bahn und ist nach zwei Stationen auf dem Festland.
Sehr interessant ist vor allem die Villa Pisani bei Stra - ein kleines Versailles mit Parkanlage samt Buchsbaumlabyrinth. Wir gehen zügig durch die Gänge, um den Marmor-Turm in der Mitte zu erreichen, landen aber immer wieder in Sackgassen und fragen schließlich den Parkwächter. Der ist genau auf dem Turm postiert und weist Besuchern mit minimalistischen Handbewegungen den richtigen Weg zur Mitte.

Heckenlabyrinth an der Villa Pisani am Brenta-Kanal
Heckenlabyrinth an der Villa Pisani am Brenta-Kanal

Historisches Padua

Wegweisende Hilfe wäre auch bei der Fahrt nach Padua hinein nützlich gewesen: Jede ruhige Seitengasse, auf der wir uns dem Stadtzentrum nähern wollen, endet unweigerlich auf einer großen Einfallstraße. Das historische Stadtzentrum leidet stark unter der Tatsache, dass es überwiegend nicht autofrei ist. Trotzdem lohnt sich ein Besuch.
Ein echtes Highlight: Die Universität. Sie kann auf eine lange Tradition als zweitälteste von ganz Italien zurückblicken. Dort fasziniert neben dem Originalkatheder von Galileo Galilei das "Teatro Anatomico", der alte medizinische Hörsaal. Er ist wie ein kleines hölzernes ovales Theater aufgebaut - und gleich in der Nähe liegt die Basilika des heiligen Antonius, dessen Patronatsfest just an diesem Tag mit einem großen Auftrieb gefeiert wird.

Das Castello Valbona am Fuße des Colli Eugánei
Das Castello Valbona am Fuße des Colli Eugánei

Letzte Etappe mit "Dolce Vita"

Vor dem Ende der Reise durchs flache Po-Delta noch ein paar Berge: Wir genießen auf unserem Weg nach Montagnana den Blick auf die Euganäischen Hügel, die südlich-östlich von Padua unvermittelt aus der Ebene ansteigen. Hier liegt der berühmte Thermalkurort Abbano Terme. Bloß keine Steigungen - wir fahren, faul wie wir sind, um die Hügel herum und gelangen nach einigen Weinanbaugebieten in das alte Städtchen. Montagnanas vollständig erhaltene Stadtbefestigung ist eine der schönsten Europas. Die letzte Etappe führt uns schließlich zum Ausgangspunkt Ferrara zurück - ein letztes Mal "Dolce Vita" mit Wein, Käse und italienischer Mode.

Joachim Liertz in Radfahren 5/02

 


 

Anreise

Die Route Die Bahn bietet Zugverbindungen nach Italien an, in der Regel über München oder Basel nach Ferrara und Padua. Die Fahrradmitnahme im italienischen Regionalverkehr ist unproblematisch.
Infos gibt es bei der Radfahrerhotline der Deutschen Bahn unter Tel.: 0 18 05/15 14 15 (0,12 EUR/Min.).

Reisezeit

Bereits ab April kann man mildes, aber auch unbeständiges Frühlingswetter antreffen. Mai und Juni sind eher warme, Juli und August heiße Monate. Im September ist es wieder gemäßigter und ab Oktober unbeständiger.

Reiseführer

Das Po-Delta liegtgenauauf der Grenze zwischen Venetien u. Emilia Romagna.

Karten

TCI Straßenkarte, 1:200.000, Kümmerly+ Frey, 6,70 EUR.
(Blatt 4 Friaul-Venetien, Blatt 6 Emilia-Romagna). Auch die sehr kleinen ruhigen Nebensträßchen sind damit gut zu finden.

Straßen und Wege

Wenn man die wenigen großen Straßen meidet, kann man sehr schön und ruhig fahren. Insbesondere auf den fast immer asphaltierten Wirtschaftswegen entlang der unzähligen Kanäle radelt man fast komplett ohne Autoverkehr. Ausschilderungen für Radler fehlen aber, man muss aufmerksam Karten lesen.

Wichtige Adressen

Unterkunft

Am günstigsten sind Jugendherbergen in den Städten und zahlreiche Campingplätze an der Küste, im Landesinneren eher wenige. Andere Möglichkeiten: Ferien auf dem Lande/Agroturismo oder Privatzimmer und Hotels, beginnend bei 30 EUR pro Doppelzimmer. Auch in der Nebensaison sind Reservierungen ratsam. Auf Radtouristen, die nur für eine Nacht bleiben, ist man nicht überall eingestellt. Die Fremdenverkehrsämter helfen hier weiter.

Essen und Trinken

Es gibt überall ein gutes Angebot hervorragender Pasta- und Fischgerichte. Eine Spezialität der Region ist Stockafisso, ein Stockfisch-Eintopf, zu dem Polenta serviert wird.

 

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© 2002 - letzte Aktualisierung: 24.07.2003
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