Logo birdy-freunde

 

| Das Birdy | Das individuelle Birdy |
| Mit dem Birdy auf Reisen | Langfinger |
| Impressum | Sitemap |

 

www.birdy-freunde.de/reisen/faltmobil.html - ausgedruckt am 20.09.2017

Mit Sack und Pack
über Wasser und Land
in Mecklenburg Vorpommern

Ein Bericht von einer Faltmobiltour 2004

Diese Reise fand zwar nicht mit dem Birdy statt, lässt sich aber natürlich mit dem Birdy genau so durchführen ...

Von Brigitte, Ulrich Gehrmann & Harald Klein
Mitgeführte Falt- Klapp-, Zerlegobjekte: Ally-Canadier-Faltboot, 2 Dahon-Falträder, 2 zerlegbare Fahrradanhänger Carry Freedom, Falt-Hocker, Zelte, Schlafsäcke, Falt-Grill, Klappmesser, Klappspaten, Faltkamera, Steck-Wasserpfeifen.

Für Faltmobilisten kommt beim See- und Flusstrekking nur ein Faltboot in Frage. Für kurze Portagen reichen bei einem reinen Bootsgewicht von zumeist um 35 Kilogramm sicherlich die kleinen Bootswagen aus. Bei längeren Über-Land-Strecken sind natürlich richtige Radanhänger weit überlegen und ein Faltrad der wahre Luxus. Das Gegenteil sind Stützpunktreisen, wo Start- und Zielpunkt zusammenfallen müssen.

Dieses Jahr konnte ich dem Freund Harald eine Faltmobiltour vorschlagen, um die Kombination von Falträdern, -anhängern und -boot mit Campingausrüstung auszuprobieren. Ziel der Reise soll nicht nur die Eignung der Faltmobil-Ausrüstung an sich sein, sondern insbesondere die Nutzung der ÖPNVs und die Überwindung der "Standortfixierung" von Anreisen mit dem Auto sein. Die Kombination der faltbaren Verkehrsmittel Fahrrad und Boot erhebt es zu einer richtigen Reise. Mit faltmobilen Rädern und Booten kommt man nicht nur woanders hin, sondern kann sich am Ziel auch noch anders bewegen.

Mit den Dahon-Falträdern zogen wir die beiden mit unserer ganzen Ausrüstung beladenen, leicht ankuppelbaren CarryFreedom-Anhänger zum Bahnhof, um mit dem Regionalzug nach Hannover zu fahren.

Spannend ist das Warten auf den IC in Hannover, denn Umsteigebahnhöfe sind Schlüsselstellen von Reisen mit Faltbooten. Mit dem Seesack für das Faltboot, 2 in Tragetaschen verpackten Falträdern und demontierten Fahrradanhängern und 2 weiteren wasserdichten Seesäcken mit Küchen-, Zelt- und Schlafsackutensilien war es schon eine Herausforderung in Hannover nicht nur in den IC hinein zu kommen, sondern auch alles für die anderen Fahrgäste ohne Behinderungen unterzubringen. Das Schicksal meint es aber gut mit uns, denn das vorgelagerte Raucher-Großraumabteil ist nicht ganz voll. Mit so vielen großen Teilen in einen weitgehend vollen Zug im zeitlich engen Rahmen des kurzen Aufenthaltes einzusteigen, erfordert etwas Handlangergeschick und Muskelkraft. Die Falträder verschwinden ohne Mühe sofort in Kofferabstellplätzen am Eingang. Die beiden Seesäcke mit der ganzen Ausrüstung passen gut in die längsseitigen Ablagen über den Köpfen - und zu unserem freudigem Erstaunen sogar auch noch der größere Seesack mit dem immerhin 20 Kilogramm extrem leichten Faltkanadier - und alles ohne vorherige Reservierung von Fahrradkarten!

Nach einem problemlosen Umsteiger in Berlin-Spandau ist die rasende Fahrt zu Ende - wir steigen um. In Fürstenberg sind wir nach fast 400 Kilometern in nur 4 Stunden Fahrzeit angekommen. Die Falträder werden wieder entfaltet, um als Zugfahrzeuge für die Ausrüstung in Anspruch genommen zu werden. Die Anhänger werden mit den einfach mit Quick-Release-Achsen anzubringenden Laufrädern versehen, die Seesäcke darauf festgezurrt, und so geht es zum Supermarkt, um uns mit frischen Vorräten zu versorgen.

Auf zum Supermarkt

Wir fahren zur Festwiese am See mit einem Strandbad und bauen dort den Kanadier unter regem Interesse der Badegäste auf und die Falträder ab. Nach dem Ausbreiten der vielen Einzelteile des Allys freut man sich natürlich, wenn man die Reihenfolge des Aufbaus beherrscht und kein Teil überbleibt. Die Außenhaut ist eine Art wasserdichte LKW-Plane, die durch ein Alu-Gerüst ihre Form erhält. Wir wassern den Faltkanadier und versuchen eine optimale Beladung unserer "Gepäckstücke" hinein zu bekommen: zu unterst die Ladeflächen der Anhänger mit den Rahmen nach unten oder - nein doch vielleicht nach oben wegen der Aufbauhöhe im Boot? Nachdem wir tatsächlich auch noch im Boot für uns genügend Platz finden, gilt es dann mit den Steckpaddeln in doppeltem Sinn in den Röblinsee zu stechen. Die Kombination von Faltboot und Faltrad beschert uns in der Summe beider Eignungen eine amphibische Fahrzeugausstattung.

Spannend: der Aufbau

Die ganze Landschaft riecht bei diesem Wetter nach Sommer aus Kindertagen. Wolken wie aufgetürmte Sahnekleckse schieben sich vor den hellblauen Himmel, der von dunkelgrünen Wäldern gesäumt abgegrenzt wird. Ein graubrauner Schilfgürtel trennt die verschiedenen Grüns vom unterschiedlichen Blau des Sees. Kräftige und satte Farbtöne beherrschen das Panorama. Die Zeit verliert ihren harten, unausweichlichen Takt. Anfänglich wissen wir noch genau den Wochentag, später müssen wir ihn über die Übernachtungsstellen herleiten.

Zufällig kommen wir kurz Abends in Steilförde an einem Biwakplatz vorbei, landen an und nehmen vor dem Abendbrot noch ein erfrischendes Bad in der Havel. Solche ausgewiesenen Plätze mit einer kleinen Toilette und Sitzplätzen mit Tischen erlauben die kostenlose Nutzung für eine Nacht. Nach dem Abendbrot wenden wir uns einem wohltemperiertem Fläschchen Roten und den zusammensteckbaren Wasserpfeifen zu.

Uns schwant schon, dass sich in dieser mit Wasserwegen verbundenen Seenplatte und bei dem wasserwanderfreundlichen Wetter eine ganz ungeplante Nutzung der Falträder ergeben würde: Nicht nur zum Umsetzen, sondern bei der sehr dünnen Lebensmittelversorgung würden sie von Vorteil sein.

Die Sonne küsst uns am nächsten Morgen so unwiderstehlich, dass uns ganz heiß und wir wach werden. Gerade das Wasserwanderrevier der Müritzer Seenplatte ist besonders gut für Faltboote geeignet, weil kaum Schwälle oder flache Strecken mit scharfkantigen Steinen die Bootshäute gefährden. 1860 bis 1870 wurde die Schleuse und der Müritz-Havel-Kanal gebaut, so dass eine Wasserverbindung von Berlin bis Hamburg geschaffen wurde.

Unterwegs ...

Ab Granzow werden die Motorboote weniger, weil hier wohl nur noch Anwohner fahren dürfen. Wir paddeln weiter nach Norden, durch schmale windgeschützte Seen und eine schöne Landschaft mit den eindrucksvollen Sommerwolken, wie man sie in Schweden und Masuren auch bewundern kann, als es im Leppinsee langsam Zeit wird, Ausschau nach einem Nachtlager zu halten. Eine größere nicht belegte Schneise im Schilf verrät einen geeigneten Platz. Seezeichen markieren die Ausfahrten in den für Motorboote zugelassenen Gewässern. Hier braucht man unbedingt eine gute Karte und Orientierungsvermögen, um die teilweise vom Schilf sehr eingeengten Schlupflöcher zu finden. Am Ufer verhindern gelegentlich verwunschene Sümpfe und die sichere Aussicht auf Plagegeister Nachtplätze.

Morgens werden wir vom Fluggeräusch startender Schwäne geweckt. Es ist ein imposantes Erlebnis, wenn sich diese großen Tiere aus dem nassen Element mit der riesigen Spannweite ihrer Schwingen erheben und den Startvorgang durch das platschende Laufen über dem Wasser unterstützen.

Am Freitag legen wir bei zunehmenden Südostwinden ab. Im Woterfitzsee sollen Bojen ein Schutzgebiet vor zuviel Störungen durch Wassersportler schützen, so dass wir doch so weit auf den See herausfahren müssen, wo die Wellen schon merklich aufkommen und wir dem Wind eine ordentliche Angriffsfläche bieten. Glücklicherweise spüren wir ihn nur als achterlichen Wind. Mit unserer über den Bootsrand herausragenden Ladung bekommen wir zwar einerseits ordentlich Schub, wodurch der Steuermann den Kurs nicht mehr allein halten kann und wir längere Zeit mit beiden Paddeln auf einer Seite die Ausfahrt anpeilen müssen.

An der Bolter Schleuse hätten wir umtragen müssen, um auf die Müritz zu kommen. Wegen des für unseren Kurs ungünstigen Windes nehmen wir Abstand davon und laden stattdessen das Boot als Ganzes an beiden Enden als "Convoi Exceptionell" auf die beiden Hänger. Nachdem wir mit diversen Spannriemen die Ladung gegen Verrutschen gesichert haben, wird ein Hänger an ein Rad angekoppelt. Abwechselnd zieht einer von uns den "Schwertransporter" mit ca. 60 Kilogramm Gepäck (Boot und Seesäcke darunter) und 5 Metern Bootslänge.

Der Lastzug

Nachdem diese Konstruktion einen Kilometer erfolgreich auf dem Radweg funktioniert, lädt eine Sitzgruppe mit Ausblick zur Rast. Kaum haben wir dort angehalten, kommt ein Radler des Weges, hält beim Anblick des Gefährtes an, bittet uns um ein Foto für seine Webseite faltbootbasteln.de (die nicht mehr existiert). In Vipperow nehmen ich einen Partnertausch vor, weil mein Freund keine Zeit mehr und meine Frau Brigitte dagegen einige Tage frei machen konnte.

Wir fahren nach Kratzenburg auf den Campingplatz und machen im Nationalpark eine Radtour auf Sandwegen durch den dunklen Tann. Auch hier in der hügeligen Landschaft ist der weite Übersetzungsbereich der Fahrräder mit der Dual-Drive-Schaltung mit 21 Gängen und die Breite der Reifen von Vorteil, weil man zwar langsam aber ohne abzusteigen hinaufkommt. Als wir einen Zugang zum See finden, nutzen auch wir die Badestelle für ein erfrischendes Bad im klaren Wasser.

Wir wollten noch einmal im nördlichen Bereich die junge Havel befahren, um dann das Faltboot wieder transportierbar zerlegen, auf den großen Hänger laden und mit den Falträdern zum Campingplatz zurückfahren. Nur mit dem Falträdern beladen sind wir über den Kabelicksee bei aufkommendem Wind gepaddelt. Unter dem hohen Himmel mit seinen kräftigen Nordwolken breitet sich eine leicht hügelige Landschaft mit starken Farben aus. Der noch sehr schmale Ausfluss der Havel ist gar nicht so leicht zu finden.

Hinter dem Granziner See, genauer hinter dem kleinen Schulzensee und vor dem Pagelsee ist die Havel nicht befahrbar, so dass wir mit anderen Kanuten unsere Boote die 700 Meter auf eine Lore verladen und sie hinunterschieben. Dort erfrischen wir unsere Füße ein wenig im schmeichelnden Sandstrand des Sees und schwimmen im recht flachen Wasser, was ein angenehmer körperlicher Ausgleich ist. In Blankenförde gehen wir mit Sack und Pack nach rund 15 Kilometern am Steg heraus. Während Brigitte am Büdchen um halb vier die letzten beiden Stücke Kuchen ergattert, beginne ich mit dem Aufbau der Falträder und einem Anhänger, sowie dem Abbau des Faltbootes.

In doppeltem Sinne ist eine Faltmobiltour packend bis zum Schluss!

August 2004

 

Zurück zur Übersicht


© 2004 - letzte Aktualisierung: 05.05.2016
birdy-freunde.de

www.birdy-freunde.de/reisen/faltmobil.html - ausgedruckt am 20.09.2017