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www.birdy-freunde.de/reisen/birdy_concorde.html - ausgedruckt am 22.06.2017

Voler le vélo: Das Birdy Concorde

Von Kay Himberg
Zurück von 3 Urlaubs-/Arbeits-/Bike-Wochen in Paris, muss ich dem Black Birdy höchstes Lob spenden: Es hat sich glänzend bewährt und ist zum Favoriten unter meinen Bikes avanciert. Dies gar nicht mal zum Pendeln/"Commuten", sondern als Stadtflitzer.

Täglich zweimal ging es quer durch die ganze Stadt, unter Verzicht auf die an sich gute und preiswerte Metroanbindung: Schon mit eingeklapptem Hinterrad ging das Birdy zwar schon als kostenfreies Gepäck statt des verbotenen Velos durch, letzlich ist die Metro aber eher langsamer, und man dümpelt ewig auf der gleichen Route unter einer der schönsten Städte der Welt herum, UND ES WAR SOMMER! :-) Sorry, wollte nicht an Maffay erinnern! Also lieber an ein Pariser Chanson: "À Paris, en vèlo, on dépasse les autos!" (et le métro, sowieso, et presque les motos :-) In 30 Minuten von der nordwestlichen Peripherique zur südöstlichen, das ist trotz der Marathon-Hochdruckreifen mit Straßenprofil schon verblüffend (v.a. wenn man an Berlin oder London denkt). Und das auch noch über einen Großteil Kopfsteinplaster, über welches die Federung natürlich recht erfreulich wegbügelt, das aber trotzdem ganz schön am Lenker rüttelt (am nun einmal rüttelanfälligen, nervösen, ständig knackenden Birdy-Lenker). Selbst die Champs-Elysées fahren sich ja eher ungemütlich, wie auch das Tour-de-France-Finish immer bestätigt - diesmal zum Glück ohne Nässe. Mein Alu-Ross war Zeuge, und bildete für seinen Voltigeur mit dem (noch mit Original-Schutzfolie umüllten) Rahmen und Sattel, gegen einen Baum gelehnt, eine prima Aussichts-Stufenleiter. Im Gegensatz zur Metro lohnte sich die Faltfunktion v.a. in den Wochenendausflugs-Zügen, und die Marathon-Schwalben bewährten sich wie auf dem hauptstädtischen Pflaster so auch auf den Waldwegen um Fontainebleau, dem gargantuesken Pflaster von Versailles, und den Pferdewegen von Chantilly. Es gab in diesen fahr-intensiven 3 Wochen keinerlei Panne, Reparatur- oder Wartungsbedarf, was bei meiner gewichts-minimierten Bagage ein Glück war. Freilich knirschten die Ritzel in der letzten Woche mangels Ölung zunehmend mit den Zähnen. Ein einmaliges Nachpumpen ließ sich im Vorübrfahren in einem der zwar extrem rar gesäten, bei variantenreicher Routenplanung aber doch auffindbaren Radläden erledigen (Boulevard St. Michel). Dass es kaum Radläden, dafür aber viele Motorroller-Läden gibt, liegt natürlich daran, dass sehr wenig Rad gefahren wird, und Falträder waren fast gar nicht zu sehen. Einmal überholte ich grüßend einen Japaner auf einem Brompton, einmal sah ich ein Paar auf Brompton-Klonen namens buz-bike (vielleicht wars ja auch der Name des Ladens, aber groß und quer auf der Rahmenseite?). Einmal sah ich einen ganz lustigen Winzling namens Gekko, mit so einem Parallelogramm-Rahmen, der in die Länge verschoben gut ins Auto passt ... das wars auch schon: also null Birdies. Natürlich wurde ich auch mal (aber selten) auf meinen Exoten angesprochen und erntete ungläubiges Staunen bei der Beantwortung der Preis-Frage :-)

Freilich lädt der Stadtverkehr auch nicht besonders zum Radeln ein. Es gibt zwar zunehmend Fahrradspuren, vor allem entlang der Seine, die teilt man sich aber, noch penetranter als in Berlin, mit soviel Linien- und Reisebussen, Taxen, und den Motor-Bikern, die das aufgemalte Zweirad auf dem Asphalt eben auch auf sich beziehen, so dass es sich oft besser durch eine der schmalen aber durchaus langen Einbahnstraßen fährt, in denen die Autos auch nicht schneller vorankommen als der Birdianer (v.a. wenn er die richtige Richtung nimmt). Am besten fährt sichs jedoch auf den für alle Non-Motorbiker reservierten Freizeitwegen: Radler, Inline-Skater, Jogger und Spaziergänger teilen sich z.B. den Uferstreifen der Seine, auf dem dieses Jahr Paris à la Plage zelebriert wurde (mit viel mehr Kreativität als die Sandaufschüttung an der Spree). Wenn man allerdings wie ich ohnehin ein pragmatisch-entspanntes Verhältnis zu Ampeln und Kreisverkehr im besonderen hat, kommt man auch im Pariser Straßenverkehr problemlos zurecht. Freilich sind die Pariser so wenig an Velozipedisten gewöhnt, dass sie noch weniger an deren mögliches Vorhandensein denken und im Stau oder an der Kreuzung selten genug Platz rechts neben sich lassen, oder beim Rechtsabbiegen nach Radlern hinter sich Ausschau halten ... nun ja, darauf muss man sich einstellen, und zum Bürgersteig-Hopping bereit sein. Letzlich ists aber alles ganz human, und ich hatte keinerlei Karambolagen oder Gefahrensituationen. In Berlin wird ja alle paar Tage ein Radfahrer überfahren, lumpige 4.000 Euro Geldstrafe kostete den schuldigen LKW-Fahrer ein Radler-Leben vor ein paar Tagen ... am nächsten Tag überfuhr einer prompt wieder eine Radlerin ... und dann am übernächsten Tag wieder ... und wieder ... und wieder ... und dann liest man nicht nur in der Springer-Presse, sondern sogar im tip Anti-velo-Pamphlete, die die gar erschröcklichen Sünden der schlimmsten aller Verkehrsteilnehmer, der üblen Radfahrer aufzulisten lieben ... Gut, auch in Paris gibts den toten Winkel, und so sah ich einen Reisebus so eng rechts um eine Ecke zirkeln, dass die dort an der Ampel wartende Radlerein sich und ihr Rad schnell auf den Gehsteig hieven musste, um nicht angequetscht zu werden ... aber sie hatte halt noch Zeit dafür. Immerhin, wie schon Ulli Wickert am Etoile vorführte, ist der Mehrspur- und Kreisverkehrsmoloch durchaus sicher zu durchqueren, wenn man eben nicht unsicher ist. Freilich, am Place de la Concorde würd ich ihn gern das gleiche Experiment machen sehen: Auch da geht's und macht adrelaninbedingt sogar Spaß, aber man kriegt doch ganz schön Respekt. Schon mit dem 28er sieht man da ja verloren und halb heroisch, halb suizidal aus - ob es nicht überhaupt verboten sei, staunte ein befreundeter Autofahrer ... Nun aber auch noch mit dem kleinen Birdy täglich über das Riesenareal unsichtbarer Mehrspurigkeit in allen Richtungen, 6 Kreuzungen in einer ... Schade, dass ich kein Foto davon habe (vielleicht existiert ja ein Überwachungsvideo :-) Ich kandidiere hiermit dafür, dies in die Erfolgs- und Rekord-Annnalen des Birdy aufzunehmen, neben den Downhill-Rides vom Berg herunter oder flach mit top 55 km/h auf Stelvios usw ... Zweite Proposition: Der Bericht legt nahe, das Blackbird ist der perfekte Stadtflitzer. Ohnehin ist es ja das ultimative Birdy (zumindest für uns Perfektionisten, Minimalisten, Gewichtsfetischisten sowie Berliner Existentialisten und Schwarzgallige ;-) Auch das neue Modell scheint übrigens weder schöner noch leichter noch im Lenkbereich laufruhiger oder im Hinterbau aktiver gefedert zu sein, also find ich mein altes Blackbird nicht überholt :-) Aber selbst abgesehen von Tragbarkeit und Styling: Die gewichtssparenden 9 Gänge sind für nicht-alpine Städte auch genug. Noch die steilsten Steigungen von Montmarte usw. kam ich damit hoch, und die bescheiden hohen Gänge reichten letzlich auch immer noch für die genannte Schnelldurchquerung der Stadt (auch zwischen Zehlendorf und Kreuzberg war ich in ähnlicher Zeit schneller mit dem Birdy als mit dem Mountainbike, und selbst auf der Avus fuhr mir auch nur der eine oder andere Rennradler bei der Sternfahrt davon - da musste ich allerding heftig rotieren :-) Ebenfalls positiv zu bemerken: Die Birdy-Rucksacktasche macht 'ne prima Lenkertasche. Freilich sind mir auch schon ein paar Weinflaschen unten rausgerutscht, da muss man doch drauf achten, wie herum man mit welchen Öffnungen zu tun hat (honi soit qui mal y pense ;-)

Abschließend eine Anekdote zum Vergleichsthema Fahrradklau: Man sollte denken, dass es bei wenig Fahrern und Läden auch wenig Klau gibt. Nun, ich benutzte neben einem stationären Bügelschloss zum ganztätigen Parken vor der Bibliothek und einem Safeman-Kabel zum kurzzeitigen Sichern vor der Boulangerie usw. auch ein dickes Kabel-Schloss für unterwegs. Eines Mittags beim Seafood-Lunch auf dem Boulevard Montparnasse sehe ich jemanden vor meinem mit letzterem gesichertem Birdy in seinem abgesetzten Rucksack kramen ... gut, kann passieren ... im nächsten Moment greift er an Sattel und Lenker ... ich brülle los wie ein Tier, erstmal aus Schreck und dann aus Aggression, und springe durch die enggestellten Tische und die Verandatür zum Rad hin ... erschreckt lässt er los und flüchtet zu Fuß in die Menge der Passanten. Ich versichere mich meines Rades, das Verfolgen und Stellen von Fahrraddieben ist doch eher eine ohnmächtige Rachephantasie, zumal die Polizei das für ein Bagatelldelikt hält, und kein Passant einen Flüchtenden aufzuhalten hilft. Großes Glück, dass Holzauge so wachsam war: Eine Sekunde später, und der Dieb wäre wohl doch lieber auf dem Rad geflohen statt ohne es; oder er war so professionell, dass er der Verfolgung am besten durch Zurücklassen des Diebesguts zu entgehen wusste. In jedem Fall, selbst wo ich das Birdy ständig im Auge behielt, bin ich dem unerträglichen Verlust nur knapp entgangen. Das fette Kabelschloss ist glatt durchgeschnitten, macht ein prima Souvenir. Das innerhalb von zwei Sekunden, mit 'nem kleinen Bolzenschneider vermutlich, den er im Rucksack mitführte. Der Typ war ein Profi, keine Frage. Trotzdem, irgendwie ist man auch geschmeichelt: selbst in Paris ist das Birdy nicht nur bemerkt, sondern auch gewürdigt worden :-)

Cordialement, Kay

 

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© 2005 - letzte Aktualisierung: 12.09.2005
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