



www.birdy-freunde.de/faltradkultur/klassifizierung.html - ausgedruckt am 10.09.2010
Klassifizierung von faltbaren Rädern
Von Ulrich Gehrmann u.a.
Kriterien für die Klassifizierung können sein: Fahreigenschaften, Gewicht, Tragbarkeit, Packmaß, StVO-Tauglichkeit, Transportkapazität, Alltagstauglichkeit und Wetterfestigkeit, Preis, aber auch die für eine vielseitige Nutzung wichtige Frage des speziellen Zubehörs. Gerade die auf geringe Packmaße optimierten Faltradkonstruktionen erlauben häufig nicht die Nutzung von Standard-Fahrrad-Zubehörteilen. Versteht sich der Hersteller als Systemanbieter mit dem Faltrad als Herzstück darin, dann bietet er auch da herum ausreichend gut geeignetes Zubehör an. Gerade bei den preiswerten Faltern werden allerdings die Kunden mit naheliegenden Wünschen allein gelassen, weil gar kein Zubehör angeboten wird.
Wichtigstes Kriterium ist die Nutzung und der Gebrauchswert des Faltrades, was genauer ausgeführt werden muss. Eigentlich lässt sich das Problem mit der verkürzenden Frage von Gunnar Fehlau in seinem Buch "Das Modul-Bike" formulieren: Wieviel "Fahrrad" braucht ein "Faltrad"?
Die folgende Einteilung ergänzt den Vorschlag von Fehlau um die 1. und 2. Gruppe. Die wichtigen Kriterien für eine Einteilung sind: Pack- und Staumaß, Häufigkeit von Falten, Tragen und Mitnehmen, und Streckenprofile und Entfernungen. Bei den beispielhaft angegebenen Modellen sollen nur Vertreter benannt werden, die auch ein Mindestmaß an Fahrrad erkennen lassen, um z.B. eine mehrstündige Radtour damit zu unternehmen. Natürlich ordnen wir die entsprechenden Birdy Modelle hier zu.
Mindestens fünf Klassen von Falträdern ließen sich bilden.
- Extrem-Falter z.B. für die Kombination aus Faltrad und Faltboot. Der Radtyp hängt hier stark vom Faltboottyp ab. Wichtig: Kleines Packmaß damit es auf oder ins Boot passt, ggf. muss es weiter zerlegt werden können. Achtet man auf die Ergonomie des Rades (z.B. auch den Sattel), reicht ein Extrem-Falter durchaus für Strecken über 100 bis 150 km mit Anhänger und Boot. Die Kombination mit anderen Verkehrsmitteln (Bus,Bahn, Auto) ist natürlich auch möglich, wenn der Falt- und Zerlegevorgang schnell und unkompliziert ist. Guido Hoffmann demonstriert ein Klepper Alu-Lite zusammen mit einem Dahon Presto. Der Anhänger ist ein ausgebauter Bootswagen von Zölzer, ein PDA dient als Navigationssystem. Es waren umfangreiche Umbauten notwendig, da solche Sachen noch nicht von den Herstellern unterstützt wurden.
Vertreter: Dahon, z.B. das Presto, Frog und einige andere
- Das Stauraum-Rad muss ein Packwunder sein und darf nur wenig Platz in zusammengefaltetem Zustand benötigen, es braucht nicht ganz leicht, nicht extrem schnell faltbar und für lange oder gar bergige Touren geeignet zu sein. Erst Recht wenn für mehrere Crew-Mitglieder eines an Bord mitgenommen werden soll, geht es auf Schiffen/Auto gerade um die Packmaße, um in Häfen auch mal eine Landfahrt machen zu können. Wenn mehr als "ein Landgangrad" zum Brötchen holen gesucht wird, also auch ein Radtour von 30 km den Horizont erweitern soll, dann gibt es geringe Auswahl.
Vertreter: Brompton, Frog
- Pendler-Räder werden in Kombination mit andern Verkehrsmitteln häufig für den Arbeitsweg benutzt. Kennzeichen sind viele Auf- und Abbauten, ein hoher Trageanteil, ständige Mitnahme in anderen Verkehrsmitteln und eher geringe Radelkilometer je Einsatz. Als besondere Anforderungen sind abzuleiten: geringes Gewicht, einfaches, sauberes und kleines, d.h. komplexes Falten, Wartungsarmut u.a. durch eine Nabenschaltung und eine recht aufrechte Sitzposition.
Der Importeur Voss von Brompton bewirbt diese Gruppe mit dem Slogan: "In 10 Sekunden vom Handgepäck zum Fahrrad."
Vertreter: Brompton, Birdy green mit dem Komfortvorbau.
- Falt-Räder sollen zwar eine gute Klappfunktion bei angemessen guten Fahreigenschaften und -verhalten besitzen, aber sie müssen besonders ergonomisch angepasst und mit einer guten technischen Ausstattung auch die Kraft vom Fahrer in unterschiedlichen Situationen einigermaßen effektiv auf längeren Strecken und/oder sogar in hügeligem Gelände auf die Straße bringen. Gute Komponenten (und Federung) sind Voraussetzung und bestimmen ganz neue Preisklassen. Sie werden nicht so häufig in anderen Verkehrsmitteln mitgenommen und haben bessere Komponenten sowie Federung, um auch längere Strecken zügiger fahren können.
Vertreter: Birdy red (Einsteiger), Birdy blue (breite Übersetzung: bergtauglich und schnell), Birdy black (leicht, für sportlichen Einsatz), Birdy grey (Reise-Birdy).
Außerdem gehören einige Bernds-Modelle in diese Kategorie.
- Räder mit Zerlegeoption lassen sich zwar grundsätzlich aber eher zeitaufwendig für seltenere Gelegenheiten zerlegen, weil so gute Fahreigenschaften und die technische Ausstattung erhalten bleiben sollen, wie man sie von anderen Rädern gewohnt ist. So wurde das Packmaß und damit die Konstruktion des Friday nach dem größten zulässigem Flugkoffer festgelegt. Die Fahreigenschaften eines guten Fahrrades mit großen Laufrädern sollen erhalten bleiben.
Vertreter sind sicherlich das Moulton als Klassiker und das Bike Friday, beide können auch auf sportliche Fahrweisen ausgerichtet sein.
Nicht berücksichtigt werden sollen hier die beiden weiteren Möglichkeiten:
De-/Montage von Komponenten eines Normalrades die zwar machbar aber recht aufwändig sind. Weiterhin fehlen auch sogenannte Kompakträder, die ihre Größe nur durch einen (zu) kurzen Radstand und extrem kleine Laufräder erreichen, ohne wirklich falt- oder zerlegbar zu sein.
An dieser Klassifizierung lassen sich etwas vereinfacht die international sich unterschiedlich entwickelnden Tendenzen der Faltrad-Szene erläutern: Die meisten Modelle an Falträdern in Europa gehören zu den ersten drei Kategorien. Fehlau bezeichnet diese Entwicklungsrichtung als "kontinental". Dem gegenüber ist "the american way" mit den unter 4 genannten Art besonders beschrieben.
© 2002 - letzte Aktualisierung: 30.05.2005
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