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www.birdy-freunde.de/faltradkultur/collapsibles.html - ausgedruckt am 10.09.2010
Eine Rezension von Ulrich Gehrmann
Die Bücher von Per Mollerup sind im birdy-freunde-Buchshop erhältlich.
Der Autor:
Per Mollerup ist Direktor von Mollerup Designlab, einem Kopenhagener Designstudio, das auf Corporate Identity für Firmen, Marken und Produkte spezialisiert ist.
Zusammenfassung:
In der Englischen Originalausgabe heißt es:
"... Written by Per Mollerup, a Scandinavian designer of some repute, it's a stylish and entertaining gallery of folding things, from chairs to parachutes, globes, balloons, shower cubicles and wheelchairs. Whatever your subject, there is almost certainly a folding derivative and it's probably in this book. .... A must ... for potty types everywhere."
Aus der Deutschen Ausgabe:
"Die Welt unterliegt einem steten Wandel. Unser Dasein ist eine Reise. Die Umstände, denen unsere Existenz unterworfen ist, verändern sich, und mit ihnen ändern sich unsere Bedürfnisse und Wünsche. Klappobjekte sind eine Möglichkeit, die der Mensch nutzt, um sich an diese Veränderungen anzupassen. Ihre elegante Zweckmäßigkeit bereichert sein Leben - Ihr Leben - in diesem wechselhaften Dasein. Gute Reise!"
Wesentliches Merkmal von "Collapsibles" ist die Nutzungserweiterung von Gegenständen, weil sie auf die eine oder andere Art für den Gebrauch vergrößert, "aufgeklappt" werden und ihre Funktion dann voll erfüllen können. Aber bei Nichtbenutzung zur Lagerung und Aufbewahrung können sie wieder verkleinert "zugeklappt" werden. Dazu zählen die unterschiedlichsten Objekte, wie wir sie ja auch schon abgebildet haben. "Raumökonomie und bestechendes Design sorgen dafür, dass diese Gegenstände zahllose praktische Bedürfnisse unseres von Mobilität und Schnelllebigkeit geprägten Lebens befriedigen."
Natürlich sprühen kreative Mensch vor Ideen und es entstehen Objekte gewürzt mit Witz und Humor, denen auch der Buchtitel entspricht: "Collapsibles". Selbstredend ist das Buch eine Fundgrube für jeden Liebhaber wundersamer Einfälle.
Einführung: Eine Überlebensstrategie
"Collapsibles" bezeichnet sich als das erste allgemeine Handbuch für Klappobjekte, deren herausstechendes gemeinsame Merkmal das "Öffnen" zum Gebrauch und das "Schliessen" zur Lagerung ist. Unter dem Aspekt der Funktionalität ("Klappbarkeit") wird die Objektgröße mechanisch etwa durch Falten, Falzen, Rollen, Ineinanderlegen, Aufblasen und so weiter verändert. Im Englischen reicht für diese verschiedenen Funktionstechniken von Klappobjekten ein Begriff: "Collapsibles".
Das elementare Gestaltungsprinzip der Klappbarkeit erweitert die Funktionen unzähliger Alltagsgegenstände. Damit werden auch Klappobjekte durch das Grundkonzept der Anpassung gekennzeichnet. Die Fähigkeit zur angemessenen situativen Anpassung ist zugleich eine fundamentale Überlebensstrategie. Flexibilität bedeutet damit Zukunft und Leben.
"Der Mensch, selbst physisch und psychisch wandelbar,
braucht und wünscht wandelbare Objekte."
Dieses Buch leistet einen philosophisch wie ästhetisch wichtigen Beitrag zu dem bisher unzulänglich erörterten Thema. Aber auch die Abbildungen der raumsparenden Objekte beweisen neben hoher Funktionalität auch große Eleganz. Auswahlkriterium für die Objekte im Buch war ihre Originalität, wobei geistreichen Lösungen der Vorzug vor der Befriedigung von Alltagsbedürfnissen gegeben und deshalb auch keine Vollständigkeit angestrebt wurde.
Dieses Buch gliedert sich in drei Teile:
"Klappobjekte sind von Menschen geschaffene, "intelligente" Objekte mit der Fähigkeit, ihre Größe den Erfordernissen des praktischen Bedarfs anzupassen." Sie haben damit zwei sinnvolle Zustandsformen, die nach der Beanspruchung auch als passiver und aktiver Zustand bezeichnet werden können, denn je nach Bedarf wachsen oder schrumpfen sie.
"Größenanpassung zur Erfüllung bestimmter Funktionen ist ein altes Naturprinzip. ... Das Überleben des Tüchtigeren bedeutet das Überleben des am besten Angepassten." Die Fähigkeit zur Anpassung ist eine Überlebensstrategie. Die Größe verändern zu können, kann eine wesentliche Fähigkeit in diesem Sinne sein.
Zur Unterscheidung von normalen Objekten ist es Merkmal des echten Klappobjektes, dass es sich als Gegenstand mehrmals verkleinern und vergrößern lassen kann. Ausschlaggebend ist die Wiederholbarkeit des Falt- oder Klappvorgangs. Da dieses Merkmal zumeist nur durch mehr Aufwand zu erzielen ist, müssen Klappobjekte immer zwei Bedingungen erfüllen: Erstens muss ein Vorteil in der Verringerung der Größe eines Gegenstands bei Nichtgebrauch bestehen. Zweitens muss die mechanisch Konstruktion die Größenreduktion vorsehen.
Eine ganz besondere Art von Faltprodukten sind jene, bei denen das Falten selbst die eigentliche Funktion darstellt. Dazu gehören Blasebälge zur gesteuerten Winderzeugung für musikalische und anderen mechanischen Geräte.
Klappobjekte sind nicht so einfach einer rigiden Klassifizierung zuzuordnen, auch wenn es eine nützliche Art der Organisation von Wissen darstellt. Zwischen den verschiedenen mechanischen Funktionsprinzipien der Klappbarkeit lässt sich nicht immer trennscharf unterscheiden. Per Mollerup führt zwölf Kategorien von häufig anzutreffenden Methoden der mechanischen Größenreduzierung ein, wobei in vielen Klappobjekten mehr als nur eines dieser Prinzipien benutzt wird.
Zwölf Funktionsprinzipien von Klappbarkeit: - Spannung - Falten - Falzen - Faltenbalg - Montage - Scharnierung - Rollen - Teleskop - Ineinanderlegen - Aufblasen - Fächern - Scherengitter.
Es werden uneinheitliche Kategorien für die Begriffsbestimmung benutzt: Einmal beschreiben objektverkleinernde Tätigkeiten, ein andermal das Konstruktionsprinzip den Begriff.
Auch Möbel kann man unter diesem Gesichtspunkt als Werkzeuge ansehen. Dadurch erweitert der Mensch seine natürlichen Fähigkeiten. Hocker, Stühle, Betten und Sofas erweitern die Möglichkeiten des menschlichen Körpers. Es sind zusätzliche Beine, die den Körper des Menschen in eine erhöhte Position über dem Erdboden heben. Kastenmöbel sind zusätzliche Hände, wo dem Besitz des Menschen Ordnung und Schutz geboten wurde und die "Schätze" von der Außenwelt abtrennen.
Klappbarkeit wird von einem Möbelstück aus zwei Gründen gefordert: Die Nutzung findet nur vorübergehend oder aber an unterschiedlichen Orten statt.
Einige wenige intelligente Objekte haben sowohl in geschlossenem wie im geöffneten Zustand eine andere Funktion. Als Beispiel mag ein Anglerrucksack gelten, dessen Gestell zum Tragen und in ausgeklappten Zustand in einen Stuhl verwandelt werden kann. Eine unpraktische und viel Raum beanspruchende Form oder Größe weist ein Objekt auf, dass sich zum Falten besonders gut eignet. Dementsprechend bedeutet Klappbarkeit, das der vom Objekt benötigte Raum umverteilt wird, wobei im physikalischen Sinne natürlich keine Verringerung des Volumens eintritt. Die Umverteilung des Volumens durch den Vorgang des
Zusammenfaltens von Objekten bringt allerdings für den Nutzer sehr wohl Raumersparnis durch die Größenreduzierung. Das Ziel fast aller beschriebenen Verkleinerungsvorgänge besteht in der Verringerung des vom zusammengeklappten Objekt besetzten nutzbaren Raumes. Das ökonomisch-technische Kriterium zur Beurteilung der Zweckmäßigkeit des Vorteils durch Falten, Klappen, etc. ist sinnvollerweise die Effizienz und zwar in den beiden möglichen Größen: Raumnutzung und Transport. Damit sind Klappobjekte von Menschen geschaffene Anpassungshilfen an (mögliche) Veränderungen seiner (Um-)Welt. (Z.B. Bei vorhergesagtem Schauern wird ein Regenschirm mitgenommen).
Auch nicht in göttlichen Zeitdimensionen können die Faltengebirge wie die Alpen in unsere Rubrik fallen, weil die Steine sich in der Form wohl nur einmal falten lassen.
In der Natur gibt es viele Beispiele von Faltfunktionen. Der Schmetterling ist sogar nach der Funktion als ein Falter benannt. Auch das männliche Sexualorgan ist besonders gut für die seltene Nutzung angepasst und deshalb normalerweise weniger störend im "collapsible" Zustand.
Sinn und Zweck von Collapsible Mechanismen ist letztlich immer die Raumersparnis durch Größenverkleinerung mit vertretbarem Zeitaufwand.
Übrigens: Natürlich ist auch das Buch "Collapsibles" selbst ein Faltobjekt, dass in gelagertem Zustand im Regal ein geringes Maß und damit auch nur geringfügige Angriffsfläche für den Staub bietet.
Collapsible-Mechanismen am Birdy:
| Reihenfolge | Verkleinerungs- Mechanismen |
Beschreibung der Teile |
|---|---|---|
| 1. | Teleskopische Verkleinerung | Obere Komfortvorbau in das untere Rohr schieben |
| 2. | Klappen | Hinterbauschwinge |
| 3. | Teleskopische Verkleinerung | Sattelrohr einschieben und Hinterbauschwinge sichern |
| 4. | Klappen | Vorderradschwinge |
| 5. | Klappen | Vorbau mit Lenker |
| 6. | Aufblasen/ Luft ablassen |
Laufräder |
Die Bücher von Per Mollerup sind im birdy-freunde-Buchshop erhältlich.
www.birdy-freunde.de/faltradkultur/collapsibles.html - ausgedruckt am 10.09.2010