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www.birdy-freunde.de/events/origami/kaiserstuhl-070923.html - ausgedruckt am 10.09.2010
Von Jan Berkelder, Fotos: Jan Berkelder, Jörg Lenz
Die Teilnehmer haben es mir erlaubt an dieser Stelle mitzuteilen, dass unsere Faltrad-Tour am Kaiserstuhl sehr gelungen war. So empfinde ich das auch. Aber, ehrlich gesagt, viel konnte nicht mehr schief gehen nach dem spektakulären Vorspiel ...
Am Bahnhof Ihringen erschien mir eine nette und schüchterne, in Dirndl-Kleidung herausgeputzte junge Dame, die erzählte, dass dies ihr letzter Tag als Jungfrau ist. Die Heidi wollte gerade, unterstützt von ihren etwas dominanteren Freundinnen nach Freiburg reisen, um Mut und Geld für ihre bevorstehende Heirat zu sammeln. Und jetzt hatte Sie eine besondere Bitte an mich. Ich fürchtete eine Sekunde lang, dass ich ihre Jungfräulichkeit beenden soll, aber es kam schließlich nicht so drastisch wie befürchtet. Ob ich sie wohl über die Schwelle in den Zug hinein tragen würde, bat mich die Heidi. Natürlich!
So eine wohlgeformte (Noch-)Jungfrau nennt man in England "a birdy", erinnerte ich mich, und Birdies über die Schwelle in den Zug zu tragen kann für mich kein Kunststück sein, dachte ich. Ich habe es sogar oft mit zwei Birdys zur gleichen Zeit getan. Doch es sollte diesmal anders kommen. Eine rund 80 Kilo schwere Heidi-Birdy in einen Regio-Sprinter der Breisgaubahn hineinzutragen unterscheidet sich doch deutlich davon, zwei 11 Kilogramm schwere Birdys in einen ICE zu hieven. Aber alles lief perfekt.

Heidi-Birdy faltete sich fließend in meine Arme, als der Zug einfuhr. Das hatte ich mit meinem eigenen Birdy noch nie erlebt. Im Zug verlief auch alles wie am Schnürchen. Nur, es nahm eine gewisse Zeit in Anspruch, ihre wohlgeformte linke Wade aus den Griffstangen zu befreien, nachdem wir uns darin verwickelt hatten. Und nachher erlitt ein Reisender durch die ebenso wohlgeformte rechte Wade eine leichte Kopfverletzung beim Manövrieren, aber der Mann nahm dies freundlich lächelnd hin. Und so konnte ich Heidi nach einiger Zeit sanft und entspannt in ihrem Sitz hinablassen.
Ihr Bräutigam hätte es wohl nicht besser machen können, vermute ich, trotz alledem wünsche ich Heidi eine sehr glückliche und fröhliche Ehe.
Um etwa zehn Uhr trafen dann, wie nicht anders erwartet, die anderen Faltrad-Freunde am Bahnhof Ihringen ein. Zwölf insgesamt, aus Rastatt, Karlsruhe, Bruchsal, Staufen, Gelderland und sogar aus Gießen. Neun Birdys waren dabei, ein Dahon und zwei Normali.

Das Wetter war ausgezeichnet; ebenso die Stimmung. Und abenteuerlich war es zudem. Denn obwohl ich dachte die Strecke ungefähr zu kennen, haben wir trotzdem regelmäßig neue und interessante Schotterwege und Sackgassen entdeckt. Sogar ein illegales Übersteigen des Bahndamms konnten wir üben, und wurden damit um eine wesentliche Erfahrung reicher.

Die Landschaft war wunderschön, so schön, dass es nicht mit dem Fotoapparat einzufangen ist. Reife Trauben an den Rebstöcken auf der eine Seite, Obstbäume und Gemüsefelder auf der anderen Seite. Und immer dieser Duft von gärendem Obst.

Wir kamen flott voran, auch wegen der Windstille. Wir fuhren gegen den Uhrzeigersinn um den Kaiserstuhl herum. Der Kaiserstuhl ist eigentlich der Überrest eines alten Vulkans und ist wegen seines Bodens und des Klimas ein ideales Weinbaugebiet.

Nach einer Kaffeepause (Es wird doch eine Menge Apfelschorle getrunken während dieser Origamitouren! Ob wir nun eine Wein-Origami, Bier-Origami oder Pfannkuchen-Origami organisieren: 90 Prozent des Konsums ist Apfelschorle.) besuchten wir in Riegel noch die Reste eines römischen "Mithras Tempels" zur Verehrung des Gottes Mithras, der als unbesiegbar wie die Sonne galt und deswegen von den römischen Soldaten verehrt wurde.
Weiter nach Endingen, eine kleine Stadt mit einem schönen historischen Kern. Bei der Einfahrt wurden wir von den Rennfahrern auf den Terrassen bejubelt.

Bei Saasbach fuhren wir durch einen Teil des Auwaldes,

und machten eine kurze Picknick-Pause in der Sonne am Rhein.

Eine gute Gelegenheit, um über die Faltradtechnik noch einmal intensiv zu diskutieren. Viel Aufsehen erregte Michael Maier mit seinen Transportrollen am Birdy-Träger. Er hatte dafür die Anleitung verwendet, die schon längst auf dieser Website zu finden ist.
Auch Jörg Lenz hatte etwas Besonderes, nämlich die Stelle an, der er sein Abus-Faltschloss angebracht hat. Oft diskutiert im Birdy-Forum, aber hier die unerwartete Spitzenlösung, die sogar das Falten nicht beeinträchtigt.

Die Mittagspause verbrachten wir im anheimelnden historischen Städtchen Burkheim, hoch auf einem Berg gelegen. Mit einiger Mühe fanden wir noch Platz im Biergarten eines Restaurants. Es gab nur noch Flammkuchen und Salat; und zum Glück ... Apfelschorle.

Nach Burkheim ging es durch eine Obstbaulandschaft zu unserem letzten Halt nach Ihringen. Auf dem Weg hatte Jörg eine Reifenpanne, was ihm die Chance bot, vor einem kritischen Publikum sein technisches Können zu zeigen. Bemerkenswert war, dass er sich trotz Aids-Handschuhen bei der Operation seine Hände verschmutzte. Es war allerdings der Mühe wert. Sein Publikum dankte ihm für die gelungene Demonstration.

Diese Pause ergab auch ein etwas anderes Gruppenfoto als sonst. Von links nach rechts: Jürgen, Susanne, Jörg, Evelyn, Mirjam, Olof, Bernd, Birgit, Christina (versteckt), und Michael. Gerd war zu diesem Zeitpunkt gerade im Gebüsch.

Nach 53 Kilometern und mit von der Sonne geröteten Gesichtern erreichten wir wieder Ihringen. Den Abschluss feierten wir mit etwas Besonderem: Einem Besuch des ökologischen Weinguts von Reinhold und Helga Pix in Ihringen. Nach einem Vortrag über ökologischen Weinbau genossen wir bei einer Weinprobe sieben verschiedene Spitzenweine. Dazu gab es ein Vesper mit frisch gebackenem Brot und sieben Sorten Käse.

Der Vortrag von Hannes Pix war sehr gelungen: klar, sachlich und begeisternd. Von links nach rechts und diesmal ohne Helm: Jürgen, Olof, Evelyn, Michael, Gerd (nicht mehr im Gebüsch), Christina (wieder versteckt), Bernd, Susanne, Birgit, Jörg, Hannes Pix und Mirjam.
Zum Schluss noch ein "Actionfoto" von Hannes Pix sowie von Christina, die sich diesmal nicht verstecken konnte:

Eine wirklich gelungene Tour. Alle Teilnehmer dankten für die gute Stimmung. Einen besonderen Dank an dieser Stelle an Helga und Hannes Pix für den schönen Abschluss des Tages.

Einen weiteren Bericht mit vielen Fotos hat Jörg Lenz bei radfalter.net veröffentlicht.
www.birdy-freunde.de/events/origami/kaiserstuhl-070923.html - ausgedruckt am 10.09.2010